Erster Anlauf zu einer Diskussion beim ersten Einblick in dieses Manuskript:
„Nicht alles, was sich als Fortschritt bezeichnet, ist Fortschritt. Die Behauptung genügt nicht, es muß argumentiert werden.“
„Kann man nach Stuttgart 21 noch etwas Umfangreiches an Infrastruktur tun, wie einige Leute besorgt fragen ? – Durchaus, aber mit erweiterten Überlegungen und anderen Verfahren, auch mit Alternativen. Stuttgart 21 legt die methodischen Mängel offen.“
„Stuttgart 21 zeigt: In der Gesellschaft wird nicht mehr alles gebraucht, was behauptet wird. Aber es wird noch mehr gebraucht, was leider nicht einmal angesprochen wird. Dafür fehlt es dann an allen Ecken und Enden.“
„Warum haben sich die Gegner nicht früher gemeldet ?“ – „Es braucht eben – das kann eine psychologische Informations-Theorie erklären, einige Zeit, bis etwas in die Köpfe kommt und dort verarbeitet werden kann.“
„Das Verfahren war rechtsstaatlich gültig.“ – Erstens lassen sich auch im Rechtsstaat Verfahren verändern oder abbrechen. Zweitens: Ein Journalist der Süddeutschen Zeitung hat rekonstruiert, wie es von Etappe zu Etappe durchgewunken wurde – einmal auf der Schiene wurde nur noch abgenickt. Dies gibt zu vielen Bedenken Anlaß.“
„Bei Abbruch kostet es viel Entschädigung für nichteingehaltene Verträge.“ – „Das ist nie die volle Summe, die auf dem Papier steht. Zweitens: Der Umkehrschluß kann nicht rechtfertigen, ein unsinniges Projekt weiter durchzuziehen. Es würde ein Mehrfaches kosten. Drittens gibt es viele abgebrochene Projekte, die viel kosteten – aber zu Recht abgebrochen wurden. Beispiele: Plutonium-Brüter Kalkar (damals 7 Milliarden DM) – heute ein Freizeit-Park. Metrorapid. Sammelt die Beispiele !“
„Avantgarde ist nur Avantgarde, wenn es dafür Argumente gibt. Großprojekte sind nicht per se Avantgarde, sondern fast immer nur gigantische banale Investitions-Unternehmen.“
„Mit Stellungnahmen wie dieser wird sich der Werkbund Gegner schaffen.“ – „Es gab im Werkbund immer Persönlichkeiten, die Klartext redeten und sich nicht einem bequemen >Allen wohl und keinem Wehe< unterordneten. Was Heiner Geißler jetzt in Gang bringen will, ist ein Diskurs. Bislang konnte nur die Befürworter-Seite sprechen. Jetzt geht es nicht um Umkehrung, nicht um Freund oder Feind, sondern um Öffnung, um öffentliche Diskussion. Das ist demokratisch. In der Kritik stecken Aspekt zur Entwicklung.“
Roland Günter, 1. Vorsitzender Deutscher Werkbund
Download der kompletten Stellungnahme als pdf: Stuttgart 21 Roland Günter
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Hier ein offener Brief des Verbandes der Kunsthistoriker vom 31. März 2010:
http://www.kunsthistoriker.org/1155.html