101117 horizonte karlsruhe: architektenimage

Horizonte Karlsruhe: ArchitektenImage. Der Architekt in der Gesellschaft.

17.11.2010, 20:00 Uhr - 00:00 Uhr

„Wie definieren wir unseren Beruf, wo stehen wir in der Gesellschaft?“ // „Wie werden wir als Berufsgruppe wahrgenommen?“ // Klassisches Berufsbild – Berufsperspektiven – früher, heute, in Deutschland, Europa, weltweit // „Wo liegen unsere Qualifikationen und Kernkompetenzen?“
Perspektiven und Möglichkeiten // „Wie können wir unsere Perspektiven auf dem Markt stärken und das ArchitektenImage verbessern?"

Gedanken zur Podiumsdiskussion / 17.11.2010 in Karlsruhe

Der Titel ArchitektenImage alleine ist sehr weit gefasst. Daher begrüße ich, dass der Zusatz Der Architekt in der Gesellschaft diesen Themenkomplex schon deutlich eingrenzt. Und ich halte gerade diese Eingrenzung für eine äußerst spannende, betrachtet aus zwei Perspektiven:

1. Das Selbstverständnis des Architekten innerhalb der Gesellschaft und 2. Der Blick „von außen“, von der Gesellschaft auf den Beruf des Architekten und oft - da die Grenzen hier verwischen -  sogar das Urteil über den Menschen, der dahintersteckt.

In der Konsequenz dieser Betrachtung stellt sich gleich die Frage mit an, wie sich das Image auch wandeln, sogar ins Gegenteil umschlagen kann. Dies geschieht häufig, wenn Architekten lange und nachhaltig wirken. Beispielhaft möchte ich hierzu den Architekten und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht erwähnen, der die Stadt Hannover in der Nachkriegszeit maßgeblich prägte und unter Kollegen und in der Fachwelt für den Wiederaufbau Hannovers im Sinne der autogerechten Stadt viel Lob erntete. Im letzten Jahr titelte die Bild kurz vor dessen 100 jährigen Geburtstags-Jubiläum: "Warum ist er noch Ehrenbürger?"

Der Wandel der Gesellschaft spiegelt sich sichtbar im Gebauten wider. Architekten und Planer geben diesem Gebauten ein Gesicht und tragen schon deshalb Verantwortung auch für das Bild der Städte und deren Atmosphäre, wohl mit der Gewissheit, dass ihre Bauten  - manchmal gleich zu Beginn – kritisiert werden. Ist das Image von Bauten also gleichzusetzen mit dem Image des Architekten?

Ein gänzlich anderer Aspekt sind die „neuen Medien“, allen voran das Medium Film und die Darstellung von Architekten im Populärkino (der Dokumentarfilm ist nochmal eine andere Ebene). Es gibt eine ganze Reihe von mehr oder weniger gelungen filmischen Ergüssen, in denen ein Architekt die Hauptrolle spielt oder tragender (tragischer) Protagonist der Geschichte ist. Wie wird hier das Image des Architekten wiedergegeben? Der Film Metropolis aus dem Jahre 1927 sei hier vorneweg erwähnt und ist wohl das radikalste Filmbeispiel, wie Planer (in diesem Fall die oben lebende Elite unter dem Technokraten und Architekten Joh Fredersen) und Gesellschaft (die unter der Erde lebenden Arbeiter) voneinander entfernt sein können.

Einige weitere bekannte Beispiele, die ich mit einer kritischen Bemerkung, vielleicht sogar einem Vorurteil, kommentieren möchte:

1.    The Black Cat (1934) - Boris Karloff

Boris Karloff spielt Hjalmar Poelzig, einem Satanskult anhängenden, modernen und technokratischen Architekten, der gefährlich nahe am Wahnsinn ist und in seiner selbst entworfenen, gruseligen Pseudo-Bauhaus-Festung Geliebte festhält, opfert und in Glassärgen ausstellt. Man kennt solche Typen.

2.    Death Wish (1974) - Charles Bronson

Ein Mann sieht rot. Mal abgesehen davon, dass der Protagonist aus purem Gerechtigkeitssinn (zu übersetzen mit Idealismus?) hier eindeutig gegen Gesetze verstößt und Selbstjustiz übt, ist noch eines bemerkenswert: Dass es davon 4 Fortsetzungen gab, ist ein illustrierendes Zeichen dafür, dass Filmemacher ebenso wie Architekten gerne und wenig innovativ aus der eigenen Formel klauen, die sie so berühmt gemacht hat.

3.    The Towering Inferno (1974) - Paul Newman

Ein interessantes Stück Katastrophenfilmgeschichte, in der Architekt Doug Roberts, gespielt von Paul Newman (auch bezeichnend für das Image des Architekten, Charlton Heston hätte es sicher auch gut verkörpert) einen Wolkenkratzer baut und erst erfährt, dass aus Kostengründen Sicherheitsrichtlinien nur unzulässig ausgeführt werden, als es schon zu spät ist: Ein Brand löst eine Katastrophe aus. Am Ende sind viele Menschen tot und kritisch fragt der Feuerwehrchef Steve Mcqueen: "Wann lernt ihr endlich, so zu bauen, wie wir es euch sagen?"

4.    One Fine Day (1996) - Michelle Pfeiffer

Komödie, die viele Klischees von Architekten vereint: Immer mit Modell unterwegs, total chaotisch und im Alltag nicht tauglich, im Beruf aber erste Sahne und dazu auch noch sexy. (Gilt übrigens auch für männliche Kollegen). In eine ähnliche Kerbe schläg:

5.    Click (2006) – Adam Sandler und David Hasselhoff (!)

Beschreibt Typen von Architekten: Der mit Familie und der ohne. Adam Sandler speilt den Architekten, der 24/7 arbeitet, das ganze Leben verpasst und dadurch die Familie sträflich vernachlässigt, bis er sterbend, fett und ausgemergelt im Regen liegt und alles bereut. David Haselhoff spielt den Bluffer, den Lebemann, dessen Image mehr Fassade als Kompetenz ausmacht, alles verprasst und keine Rücksicht auf das davor, dabei oder danach nimmt.

6.    Inception (2010) - Ellen Page

Die neue Generation von Architekten, die jung, intelligent, kompetent und ehrgeizig ist; es allen, vor allem Älteren beweisen zu müssen und diese zu belehren – moralisch wie in Sachen Kompetenz. 

So banal vieles des hier Aufgezählten klingen mag, vielleicht gibt es Ihnen Anregungen für Ihren Workshop. Zum Schluss noch ein berühmtes Zitat zu einer möglichen dritten Perspektive, nämlich der vom Image der Architekten untereinander: „Architekten sind Huren, die ihre Kundschaft bedienen“ – Philip Johnson