100527 wohnen aber wie an der HfG Offenbach am Main

wohnen. aber wie? an der HfG Offenbach am Main

27.05.2010, 19:00 Uhr - 09.06.2010, 18:00 Uhr

Programm

17.10 Uhr Begrüßung // Martin Krämer, HfG Offenbach

17.15 Uhr Zur Ausstellung wohnen.aber wie? // Nadine Schröter u. Hans Krauße, wb.jung

17.40 Uhr Wohnen in der Netzwerkgesellschaft // Günter Pfeifer, TU Darmstadt

18.10 Uhr Diskussion // Moderation: Martin Krämer

anschließend Umtrunk und Imbiss

80 Jahre CIAM II: Die Wohnungsfrage in Geschichte und Aktualität

Vor genau 80 Jahren – vom 24. bis zum 26. Oktober 1929 - wurde der II. Congrès International d’Architecture Moderne, kurz CIAM II, in Frankfurt am Main abgehalten, der die dringliche Frage nach der Wohnung für das Existenzminimum thematisierte. Die Tagung vereinigte unter der Leitung des Frankfurter Stadtbaurats Ernst May international bekannte Protagonisten moderner Architektur wie Sigfried Giedion, Walter Gropius, Otto Haesler, Pierre Jeanneret, Gerrit Thomas Rietveld oder Mart Stam, die sich gemeinsam der Frage nach den Grundbedürfnissen und den daraus zu gestaltenden Typologien für Kleinstwohnungen widmeten. Im Anschluss an den Kongress wurde eine Ausstellung im Werkbund Haus eröffnet, die ein breit gefächertes Spektrum an Grundrissen auf über 100 Tafeln im Maßstab 1:10 zeigte.

Vor dem Kongress traten die Organisatoren mit der brieflichen Bitte an die Architekten heran, ihre Grundrisse für die Tafeln einzusenden. Die gesammelten Entwürfe wurden dann unter der Leitung des Grafikers und Malers Hans Leistikow im Hochbauamt der Stadt Frankfurt nachgezeichnet, um eine größtmögliche Vergleichbarkeit herzustellen. Der Druck der einheitlichen Grundrisse erfolgte auf Aluminiumtafeln, die heute nicht mehr erhalten sind. Die Grundrisse zeigten die Entwicklungstendenzen im Wohnungsbau der Moderne. Im Mittelpunkt stand die Minimalwohnung, die trotz der Beschränkung auf eine Mindestgrundfläche die Grundbedürnisse des Menschen abdecken sollte. In den Entwürfen der Planer flossen vor allem ökonomisch-wirtschaftliche Überlegungen ein: Serielle Fertigungsweisen in Plattenbaumontage beschleunigten den Bau und führten auch zu niedrigen Mietpreisen.

Aber auch der Anspruch einer hohen Gebrauchsfähigkeit der Wohnung, beispielsweise durch sinnvolle Anordnung der Räume nach der Sonne oder eine effiziente Haushaltsführung durch Verwendung von flexiblen und kombinierbaren Typenmöbel, versuchten die Planer umzusetzen. Geprägt durch die Erfahrungen und die Missstände in den Mietskasernen waren sich Planer und Architekten der Notwendigkeit bewusst, jedem Menschen eine Wohnung zu bieten, die nicht nur die Primärbedürfnisse wie Schutz und Rückzug erfüllte, sondern gleichfalls die miserablen hygienischen Zustände der Altwohnungen in den Städten beseitigte. Der Wohnungsbau beinhaltete somit nicht mehr nur technische, sondern verstärkt auch soziale Fragestellungen. In der Ära Ernst May konnten innerhalb von fünf Jahren, zwischen 1925 und 1930, über 15.000 Wohnungen in Frankfurt am Main realisiert werden.

Wohnungsbau heute sieht sich mit veränderten Wertvorstellungen und Ansprüchen an die Behausung konfrontiert: Eine zugleich transkulturelle, wie alternde Gesellschaft verdängt das Idealbild der bürgerlichen Kleinfamilie, die hochmobile Gesellschaft sieht sich stets bereit, den Wohnsitz zu wechseln. Diese Entwicklung macht es erforderlich, neue Wohnkonzepte vorzustellen und umzusetzen, die aus flexiblen, multifunktionalen und enthierarchisierten Räumen bestehen. Generationenübergreifendes Wohnen, das in energieeffizienten und barrierefreien Grundrissen stattfindet, wird eines der Themen eines zukunftweisenden und zukunftsfähigen Wohnungsbaus sein. Auch die globalen Herausforderungen wie Klimawandel und Knappheit der Ressourcen bedingen Wohngrundrisse, die mit den Zielvorstellungen eines nachhaltigen Wohn- und Siedlungsbaus vereinbar sind.